Dienstag, 15. Januar 2008

Part I: San Francisco


Nachdem ich morgens noch meine letzte Klausur geschrieben und wir ein paar kleine Hindernisse überwunden hatten (Schienenersatzverkehr auf dem ersten Teil der Strecke wegen Sturm, Bus fast verpasst weil ich getrödelt habe...) saßen Fanny und ich nachmittags im Zug nach San Francisco. Amtrak braucht nach San Francisco zwar fast 17 Stunden (mit dem Auto schafft man's in 9), aber großzügige 2 Meter Beinfreiheit und Sitze mit Fußstütze die sich komplett herunterklappen lassen machen die Reise doch zu einem recht komfortablen Erlebnis. So kamen wir am nächsten Morgen in San Francisco an und nach einem kurzen Abstecher ins Hostel (wir hatten ein 4er-Zimmer, unsere Mitbewohnerin war eine Deutsche aus München) machten wir uns auf nach Chinatown. Leider war der erste Tag ziemlich verregnet, so dass wir uns nachmittags erstmal ein kleines Nickerchen gönnten (was in den nächsten 12 Tagen zu einer wohlgehegten Tradition werden sollte :-)). Frisch gestärkt bereiteten wir uns dann darauf vor, in meinen Geburtstag reinzufeiern. Glücklicher Zufall, dass unser Hostel an diesem Abend im hauseigenen Partykeller einjähriges Bestehen feierte - so bekam ich ca. 50 Partygäste aus aller Welt sowie Essen und Alkohol for free!
Am nächsten Morgen und den ganzen Rest unserer Reise hatten wir traumhaftes Wetter. Die nächsten 3 Tage in San Francisco füllten wir mit dem üblichen Touristenprogramm: Fisherman's Wharf, Alcatraz, Coit Tower, Lombard Street, Castro, Golden Gate Bridge, Ocean Beach, Golden Gate Park, Twin Peaks... Die Abende verbrachten wir meistens im Hostel wo wir nette Leute aus Australien, Norwegen, England und vielen anderen Ländern kennengelernt hatten, und wo jeden Abend Partystimmung war. So bekamen wir zwar nicht viel Schlaf (da spätestens um 10 Uhr früh der Putzdienst mit Staubsauger in unser Zimmer kam), aber wir hatten eine erlebnisreiche Zeit und haben ein paar tolle Leute kennengelernt!

Von San Francisco sind wir dann mit unserem Mietauto den Highway 101 an der Küste entlang gefahren. Wir hatten 2 Tage Zeit für die ca. 700km nach Los Angeles. Am ersten Tag haben wir mittags in Santa Cruz gehalten und anschließend an der Küste nach einem geeigneten Rastplatz für unser obligatorisches Nachmittagsschläfchen Ausschau gehalten (3 Stunden Schlaf in der Nacht davor waren einfach nicht genug ;-)). Nach laaaanger Suche fanden wir den perfekten Platz: ein kleiner Aussichtspunkt auf einem Felsvorsprung direkt an der Küste, unter uns das Meer und die Sonne kurz vor dem Untergehen. So bekamen wir nicht nur den nötigen Schlaf, sondern auch noch die perfekte Aussicht auf einen kitschig-schönen kalifornischen Sonnenuntergang mit vorbeiziehenden Pelikanen! Aber ich glaube das Bild spricht für sich...


Anschließend fuhren wir noch ein gutes Stück an der Küste weiter. Wir befanden uns schon seit San Jose auf dem Highway 1, der sich direkt an der Küste entlangschlängelt. Inzwischen war es völlig dunkel (Straßenbeleuchtung ist hier eine Seltenheit) und aufgrund der vielen Kurven schlichen wir mit 50km/h oder weniger die Küste entlang, als wir bemerkten, dass unsere Tankanzeige inzwischen auf Reserve stand. Eine Tankstelle hatten wir schon ewig nicht mehr gesehen, also hofften wir, dass bald eine kommen würde. Nach 20 Meilen und keiner Tankstelle in Sicht, geschweige denn irgendeinem Anzeichen von Zivilisation (und dabei ist Californien doch der bevölkerungsreichste Staat...) wurden wir langsam nervös. Vor allem da wir weit und breit das einzige Auto waren und natürlich auch mal wieder keinen Handyempfang hatten, sahen wir uns schon ängstlich im Dunkeln am Straßenrand sitzen oder zu Fuß zur nächsten Tankstelle laufen. Irgendwann kam ein Schild: nächster Ort in 7 Meilen. Ok das schaffen wir noch, dachten wir uns. Nach 7 Meilen und nicht einem einzigen Haus kam das nächste Schild: nächster Ort in 9 Meilen. Aaahhh! So ging das einige Male bis wir irgendwann tatsächlich einen kleinen Ort mit einer einsamen Zapfsäule und einem noch einsameren Tankwart erreichten. Der riet uns zwar davon ab dort zu tanken da die Gallon stolze 5 Dollar kostete (statt 3,20 normal), aber nachdem wir unsere Situation erklärt hatten, gab er uns gerade soviel Benzin, dass wir es bis zur nächsten Tankstelle schaffen konnten. Erleichtert waren wir kurz danach zurück auf dem Highway 101 auf dem wir schneller vorankommen und vor allem volltanken konnten. Nach diesem Abenteuer waren wir erstmal etwas aufgekratzt und schwelgten in Erinnerungen an den "Later Crake" (=Crater Lake) und Fanny fantasierte von Schneeschnuppen :-) In San Luis Obispo beschlossen wir schließlich zu übernachten.

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